Etatismus im Alltag - Lärm ist subjektives Empfinden

Tommy Casagrande

Es lässt sich nicht sagen, ab welchem Moment Lärm eine objektive Belästigung darstellt, denn ob etwas als Belästigung empfunden wird, obliegt der Subjektivität des Empfinders. Tauscht man an dieser Stelle den Begriff "Belästigung" aus und ersetzt ihn mit dem grundsätzlicheren Begriff "unangenehm", so kann auch Stille sehr unangenehm für denjenigen sein, der sie als solches empfindet. Eine Alltagsbegeneheit brachte mich dazu, hierüber zu sinnieren. Neulich saß ich wieder einmal im McDonalds und schlürfte meinen Kaffee. Am Nebentisch saß ein Päärchen, dessen weiblicher Anteil große Aggression in sich verspürte, da hinter hier ein Mann und eine Frau saßen, von denen der Mann in eine Redelust verfiel, die man durchaus über 2 Tische hinweg hören konnte. Vielleicht auch über 3. Das störte mich aber nicht. Im Gegenteil. Ich möchte nicht, dass andere Menschen mitlauschen was ich sage und freue mich darum, wenn die Geräuschkulisse um mich herum nicht zu leise ist. Wenn Menschen zusammen kommen und sich anschweigen, wirkt das oft beklemmend und unentspannt auf mich. Die Frau am Nebentisch begann zu ihrem etwas freundlicherem Mann zu sagen, dass sie die hinter ihr sitzenden nicht mehr aushielte. Sie würde verspannen durch das laute Gespräch hinter ihr. Immer öfter begann sie sich vor zu sagen, dass sie gleich reagieren wird. Das restliche Umfeld jedoch tolerierte das laute Gespräch, zumindest schien es so, denn artikuliert, dass es sonst jemanden störe, hat es niemand. Dann aber geschah es. Die Frau am Nebentisch lehnte sich zurück und fuhr die dahinter sitzenden an, ob es nicht noch lauter ginge, da es "niemanden interessiere", was diese sagen würden. Der Mann verhielt sich daraufhin in seinem Gespräch etwas leiser, während die Aura dieser Frau am Nebentisch etwas aggressives und kaltes aufwies. Ein Mensch, bei dem man sofort auf Konflikt und Konfrontation eingestellt ist. Jemand, der kein gutes Vorbild für Toleranz, Frieden und Freiheit abgibt. Sich dafür vermutlich aber auch nicht sonderlicht interessiert. Der Punkt ist, die Position dieser Frau ist unlogisch. 1. Der EIgentümer McDonalds müsste vorgeben wie laut gesprochen werden darf. Nicht die Frau. Die Frau ist nicht der Eigentümer. 2. Die Frau besitzt ein Selbsteigentum, doch dieses wird nicht dadurch verletzt, indem sie sich freiwillig an einen Ort begibt, wo sie nicht erwarten kann, dass sie dort jene Verhältnisse vorfindet, die sie sich wünscht. Zudem kann sie jederzeit freiwillig den Ort wechseln. 3. Die Frau hat KEIN Recht den Mann aufzufordern, leiser zu sprechen. Denn auch er hat KEIN Recht, diese Frau aufzufordern, lauter zu sprechen (damit sie ihn nicht mehr höre). Recht ist jedoch etwas, dass beiden gemein wäre. EInseitig kann Recht nie sein. Lediglich Ansprüche sind einseitige Forderungen. 4. Wenn die Frau lärmempfindlich ist, darf sie nicht unter Menschen gehen. Warum gehe ich unter Menschen, wenn ich es nicht ertrage, wenn Menschen in unterschiedlicher Lautstärke miteinander kommunizieren ? Ich spaziere auch nicht entlang einer Straße, wenn ich keine Autos mag. Diese Frau muss lernen auszuhalten, dass andere Menschen mit ihrem Selbsteigentum (Stimme, Sprache, Gestik usw.) anders umgehen als sie das tut. Niemand zwingt sie, sich dem auszusetzen. Aber ohne Toleranz derartige Unterschiede zu akzeptieren, endet jedwede Forderung nach Anpassung in gesellschaftlicher Uniformität und Konformität. 5. Dass diese Frau sich nach Ruhe sehnt, ist womöglich etatistisch begründet, denn umso mehr, die individuellen Freiheiten erlischen, umso weniger diversifizierende Angebote an unterschiedliche Menschen wird es geben. Angebote für ruhesuchende Menschen oder für lärmsuchende Menschen könnten viel stärker diversifizieren, wenn die unternehmerische Freiheit aller Menschen nicht derart beschnitten würde durch allerlei Voraussetzungen, die es unmöglich machen, neue Geschäftsideen zu erschließen oder gegenüber etablierten Unternehmen zu konkurrieren. 6. Menschen sehnen sich nach Ruhe, weil das etatistische Gesellschaftskonstrukt des Hamsterrades sie nicht zur Ruhe kommen lässt. Widerum andere Menschen sehnen sich nach Abenteuer, Lärm, Unterhaltung, weil das etatistische Gesellschaftskonzept ihnen dort, wo sie ihre Bedürfnisse haben, diese reguliert oder sanktioniert. Niemand bekommt wirklich was er sich wünscht. Angebot und Nachfrage decken sich nicht. Unterm Strich behauptet sich das System. Und obwohl sich niemand mehr damit wohlfühlt, wird diesem loyal gedient. Dadurch entfernt sich der Mensch als Wesen von einer menschlichen Welt, die auf die tatsächlichen Individuen gerichtet sein sollte.

Rubriken: Etatismus

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