Anarchokommunismus ist kein Widerspruch in sich

Tommy Casagrande

Wer behauptet, dass Anarchokommunismus ein Widerspruch in sich sei, der irrt sich leider gewaltig. Wer dies macht, der setzt Kommunismus mit Gewalt und Zwang gleich, aber das ist nicht richtig. Ebenso könnte man Kapitalismus mit Gewalt und Zwang gleichsetzen. Beides, Kommunismus und Kapitalismus und meinetwegen auch ganz andere ideologien, meinen eine Form des menschlichen Zusammenlebens - die Antwort auf die Frage WIE dieses organisiert sein solle; beispielsweise ob es auf Gemeineigentum oder auf Privateigentum gründen soll. Die Frage ob man es durch eine übergeordnete Instanz wie das Gewaltmonopol eines ist, erzwingt, wird dadurch nicht berührt sondern erstmal außen vor gelassen. Das aber ist der entscheidende Punkt um den es bei der Freiheit geht.

Freiwillige Vergesellschaftung ist der Kern von Freiheit. Menschen können auf freiwilliger Basis in Gesellschaften leben die sie untereinander kommunistisch organisieren oder sie können in Gesellschaften leben die von ihnen kapitalistisch organisiert werden. Genauso gut sollten Menschen, wenn sie sich frei vergesellschaften können, so leben dürfen wie die Indianer oder die Eskimos, wenn sie es denn möchten.

Wer den Anarchokommunismus für eine unfreie ideologie hält, will damit sagen, dass freie Menschen sich nicht kommunistisch organisieren dürfen oder sollen. Damit aber wäre man selbst gegen die Freiheit und nicht diese Menschen. Diese Menschen verstoßen nur dann gegen die Freiheit, wenn sie ihrerseits den Anarchokommunismus so definieren, dass jeder Mensch kommunistisch organisiert zu leben habe. Das allerdings würde sich dann tatsächlich mit dem Begriff Anarchismus nicht vereinbaren lassen und wäre unsinnig. So lange ihre kommunistische Gesellschaftsorganisation auf freiwilliger Vergesellschaftung beruht, nehmen sie ihrerseits keinem die Freiheit weg. Dann soll man auch ihnen diese Freiheit nicht absprechen. Jedoch, wie diese Leute ihren Anarchokommunismusbegriff auslegen, weiss ich nicht - ich gebe es zu. Aber ich weiss, dass im eigentlichem Sinne, sich der Begriff nicht selbst widerspricht, wie manch einer zu behaupten wagt, sondern die Behauptung, ob es sich widerspricht, ist abhängig von der Definition derer, die diesen Begriff verwenden. Und hierbei habe ich erläutert, ab wann der Begriff durchaus Sinn macht und ab wann er wirklich in sich widersprüchlich ist.

Die Konsequenz der Behauptung, dass "Anarchokommunismus in sich widersprüchlich sei oder mit Freiheit nichts zu tun habe", erweckt den Eindruck, dass Kapitalismus und Freiheit Synonym seien und das stimmt nicht. Staatskapitalismus hat mit Freiheit wenig zu tun. Genauso hat Staatskommunismus mit Freiheit nichts gemein. Anarchokapitalismus und Anarchokommunismus beruhen beide auf einer Ablehnung des Gewaltmonopols und setzen auf freiwillige Vergesellschaftung und sind darum Ausdruck anarchistischer Vielfalt, wie sich Menschen in ihrem Zusammenleben organisieren können, wenn sie mögen.

Klarerweise können Begriffe missbraucht werden. Kein Begriff vermag sich zu schützen vor Vereinnahmung derer, die ihn nicht begriffen haben oder begreifen wollen. Wer sich für Anarchokapitalismus oder Anarchokommunismus einsetzt und Gewalt und Zwang befürwortert, der widerspricht dem wichtigen Element dieses Wortes - dem Anarchismus, denn dies ist ein friedlicher Begriff der Freiwilligkeit und Herrschaftslosigkeit meint. Wer das mit Gewalt verwechselt, missbraucht den Begriff für dunkle Zwecke. Dagegen aber kann sich letztlich kein Begriff erwehren.

Abschließend gilt es noch zu sagen, dass es zu vermeiden ist, den höheren materiellen Wohlstand eines bestimmten Systems als Kriterium für die "richtige" Organisationsform der Menschen zu verwenden. Wenn Menschen ihre Freiheit benutzen wollen, derartige Gesellschaften zu konzipieren in denen sie auf materiellen Überfluss zu verzichten bereit sind um andere Werte und Güter, möglicherweise immaterieller Natur zu erfahren, ist das deren Freiheit. Sie ist damit nicht zwangsläufig im Einklang mit materiellem Wohlstand, da Wohlstand letztlich ein Gefühl des inneren Glückes ist, dass auf vielerlei Wege zu stande kommen kann. Denn wann sich ein Mensch wohl fühlt obliegt der Subjektivität, da es individuell verschieden ist. Umso wichtiger ist hier die Freiheit, aus der heraus sich jene Möglichkeiten bieten um individuelles Glück erreichbar werden zu lassen. Und genau diese Vielfalt, die durch Menschen ihren Ausdruck findet, gilt es als Freiheitsdenker hervor zu heben. Denn Kriege unter den Menschen finden stets statt, weil Systeme diese Vielfalt verunmöglichen und lediglich ein bestimmtes Vergesellschaftungsmodell als das einzig wahre (v)erklären.

Rubriken: Anarchie

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