Man kann auch ohne Glauben gut sein

Marcel Theler

Als Atheisten und säkulare Humanisten wandten wir uns damals gemeinsam an religiöse Menschen und verkündeten ihnen: "Man kann auch ohne Glauben gut sein." Ein Freundschaftsangebot, mit dem wir beiderseitige Akzeptanz fördern wollten. Heute muss ich meinen säkularen Mitstreitern erklären: "Ich bin kein Monster, denn man kann auch ohne links, sozialistisch oder allgemein etatistisch zu sein, gut sein. Damals glaubten wir zusammen an +1 Götter nicht und waren einig, heute glaube ich an +2 Götter nicht und so mancher Atheist oder Agnostiker drückt mir einen Stempel auf, wendet sich ab oder man merkt zumindest, dass sich zwischenmenschlich etwas verändert hat. Es trägt die Muster, die manche Gläubigen anwenden (z.B. Ausgrenzung), wenn man 'das Andere' als böse kennzeichnet, indem man einem Menschen, nur weil er den Staatsglauben (Etatismus) abgelegt hat, (bewusst oder unbewusst) als schlechten Menschen ansieht, ihm das Gutsein abspricht und ihm alles Mögliche andichtet, nur dass man sich einfacher von ihm distanzieren kann.

Die Machtposition der Etatisten wird durch Zwang und Gewalt gegen Andersdenkende gesichert, wie damals bei den Kirchen und dabei möchte ich doch nur frei mein Leben leben. Ich möchte mit Argumenten kämpfen und das kann ich auch, es bringt nur nichts, weil die Waffe im Raum immer auf mich gerichtet ist und dafür sorgt, dass ich zwar reden kann, aber nicht handeln. Sind Menschen nur dann gut, wenn sie diese Waffe legitimieren und dafür sorgen, dass sie immer schussbereit ist, damit Andersdenkende eingeschüchtert werden und sich von der neuen Kirche nicht abwenden können?

Wie auch bei manchen religiösen Menschen - an die wir damals geneinsam ähnliche Worte richteten und die diese nicht nachvollziehen konnten, weil sie fest glaubten und unsere Worte gar nicht verstanden, weil für sie alles ganz anders war - ist es heute mit vielen Etatisten, die sich gar nicht vorstellen können, dass sich die Welt einem Menschen so zeigt, wie ich es oben beschrieben habe. Für sie ist es einfach, sie brauchen sich mit meinen Worten gar nicht erst auseinanderzusetzen oder sie zu verstehen, denn sie haben die schussbereiten Waffen auf ihrer Seite, auch wenn sie sich diese für den Etatismus basale Gewalt nicht eingestehen, sie anders interpretieren oder sie in ihrem m.E. alles andere als humanistischen Gloria, dass der Mensch nur durch Waffen gut sein kann, gar nicht oder ganz anders wahrnehmen.

Dies ist ein Freundschaftsangebot und nicht ein Abgrenzungsversuch.

Rubriken: Religion

... zurückblättern