Über die Weigerung Selbsteigentum und Recht anzuerkennen

Tommy Casagrande

Selbsteigentum und Recht seien nicht die Grundlage des Anarchokapitalismus sondern Vertrag und Kooperation, lautet immer wieder gerne die Phrase manch einer vom abspulen ausgeleierten Platte. Doch worauf basieren Vertrag und Kooperation, wenn nicht auf der Einsicht, dass Selbsteigentum ein philosophischer Rechtsgrundsatz ist, auf dem Vertrag und Kooperation erst möglich sind. Kooperation und Vertrag resultieren aus der Tatsache, dass jene Parteien, die miteinander kooperieren und Vertragsbeziehungen eingehen, sich gegenseitig als selbstbestimmte Wesen wahrnehmen. Der zweite Schritt folgt dem ersten. Selbsteigentum und Recht abzulehnen bedeutet in seiner Konsequenz folgendes:

Wir Menschen wären beraubt eine mit der Logik zu erfassende Philosophie zu erkennen, die es uns ermöglicht, mit dieser das menschliche Zusammenleben friedlich zu organisieren. Diese Philosophie ist wie jedes andere mit den Gedanken zu erfassende Konstrukt ein metaphysischer Bezug für die eigene Praxis. Wegen der Möglichkeit dieses abzulehnen die Schlussfolgerung zu ziehen, es existiere auch nicht, ist hochgradiger Unsinn. Denn dann wäre jeder etatistische, bevormundende, gewaltmonopolistische, tyrannische Zustand, und sei er auch noch so menschenverachtend, vollkommen legitim. Der Stärkere wäre der pragmatische Beweis dafür, dass der Schwächere keinen anderen Zustand verdient hat. Man wäre als Mensch gefangen und reduziert auf die eigene Gewalt, das Talent der Verbrüderung und Verschwesterung um sich dann fortwährend gegen Feinde zu behaupten. Ewiger pragmatischer Kriegszustand wäre dann das menschliche Dilemma in Folge der Leugnung, dass es eine metaphysische Wahrheit gibt, die mit dem Verstand erkannt werden kann und die aus sich heraus logische Ableitungen ermöglicht, mit denen Menschen, wenn sie das wollen, in Frieden miteinander leben können. Wo dieser Wille nicht da ist, hilft logischerweise auch keine Wahrheit.

Selbsteigentum braucht keine Verträge um zu SEIN. Selbsteigentum IST bevor es zu einem Vertrag kommt. Es steht somit außerhalb eines Vertrages und kann auch nicht durch einen Vertrag zur Auflösung gebracht werden. Wenn das Selbsteigentum nur durch Verträge legitimiert werden könnte, würde das bedeuten, dass der Staat zurecht (in weiser Voraussicht) keine mit seinen Bürgern abgeschlossen hat und die gegenwärtige Bevormundung und Despotie, welche noch ganz andere, im historischen Kontext weit menschenfeindlichere Erscheinungsbilder kennen kann, wäre in jedem Falle legitim. Es gäbe dann nichs, auf dass man sich berufen könnte, um grundsätzlich das Wesen eines Gewaltmonopols zu kritisieren. Man könnte noch nichtmal Gewalt als falsch definieren, wenn sie einem angetan würde, so lange es keinen Vertrag gäbe, der besagt, dass es falsch sei. Es wäre letztlich alles völlig in Ordnung. Dass man sich auf etwas berufen kann, bedeutet ja nicht, dass es darum von jedem anderen schon akzeptiert wird. Aber akzeptanz ist nicht das Kriterium um heraus zu finden, was richtig und falsch ist. Denn wenn beispielsweise ein Kinderschänder das Selbsteigentum des Kindes nicht akzeptieren will, dann schändet er es, Selbsteigentum hin oder her. Das Selbsteigentum jedoch gibt philosophische Auskunft darüber, dass dem Kinderschänder das Kind nicht gehört/nicht gehören kann. Es gehört sich selbst. Wenn er dem Kind Gewalt antut, dann ist das somit unethisch, unmoralisch, falsch und ein Verbrechen. Dazu braucht es nicht erst einen Vertrag, der dies definiert, regelt oder vielleicht sogar offen lässt und darüber still schweigt. Das Selbsteigentum ist eine Wahrheit, eine Tatsache, die zu erkennen jedem Menschen gegeben ist. Durch die Logik besteht die verstandesmäßige Möglichkeit das Selbsteigentum als Wahrheit zu erkennen, doch das hat mit Akzeptanz noch nichts zu tun. Die Möglichkeit etwas erkennen zu können ist das eine. Etwas zu akzeptieren ist das andere. Abzuleiten, dass durch Nicht-Akzeptieren das zu erkennen mögliche nicht existiert ein riesen Unsinn. Nur weil Menschen etwas auch nicht-akzeptieren können, bedeutet das nicht, dass es somit auch keine Wahrheit gibt, die man erkennen kann. Denn eine solche Formulierung würde in einem Selbstwiderspruch münden. Es wäre die Leugnung, dass es universelle Wahrheiten gibt. Blöderweise ist eine solche Leugnung bereits eine derartige postulierte Wahrheit, weswegen es selbstwidersprüchlich ist, sie zu formulieren.

Beispiele: Es gibt keine Wahrheit - stellt aber selbst das Postulat einer solchen auf. Fazit: Selbstwiderspruch. Es gibt kein Selbsteigentum - vertritt ein Mensch, der während/indem er dies postuliert, Eigentum an sich selbst ausübt. Fazit: Selbstwiderspruch.

Vertrag und Kooperation sind erst die Folge der Anerkennung des Selbsteigentum als philosophischer Rechtsgrundsatz. Wer das Selbsteigentum verneint, verneint etwas, dass erst die Grundlage für die Verneinung darstellt. Ohne das, was verneint wird, wäre nicht möglich verneinen zu können. Die Tatsache, dass Menschen an den Staat glauben und freie/freiwillige Vereinbarungen unter den Menschen nicht anerkennen, beweist für sich genommen auch nicht, dass Freiheit nicht funktioniert. Die Tatsache, dass Menschen die Einsicht oder die Erkenntnis des Selbsteigentums oder des Rechts ablehnen, ignorieren oder leugnen können, beweist auch nicht, dass es nicht dennoch existiert. Ich kann auch behaupten, New York gibt es gar nicht. Darüber wird halt jeder lachen der dort lebt oder dort war.

Rubriken: Moral/Recht

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