Kritischer Blick auf den konservativ-liberalen Eigentumsbegriff

Tommy Casagrande


Im Internet kursiert ein Foto von Uli Hoeneß mit der Aufschrift: "Schützte sein Eigentum - wurde von Räubern eingesperrt". Ich bin mit dem Eigentumsbegriff der bürgerlichen Theorie und wie sie gerne von Liberalen unkritisch übernommen wird, nicht einverstanden. Denn jener Eigentumsbegriff setzt vorraus, dass es einen quasi freien Markt ohne staatliche Eingriffe gibt, und dass jedes gegenwärtig existierende Eigentum in seiner Schaffung und Verteilung quasi staatenlos in die Welt kommt und rein durch freies Angebot und freie Nachfrage verteilt wird. Dieser konervativ-liberalen Theorie ist wehement zu widersprechen, weil sie Ideologie ist. Den Staat aus der Betrachtung über die Produktion und Verteilung von Eigentum heraus zu nehmen, ihn außer Acht zu lassen, ihn quasi als neutralen Agenten unsichtbar stehen zu lassen, führt dazu, dass die konservativ-liberale Theorie zum ideologischen Verteidiger der durch den Staat zunehmenden materiellen Ungleichheit von Menschen wird.

Wenn Libertäre diesen merkwürdigen Eigentumsbegriff benutzen machen sie sich zurecht angreifbar von links, da ihnen unterstellt werden kann, Ungerechtigkeiten zu verteidigen, gut zu heißen oder produzieren zu wollen. Deswegen plädiere ich für einen auf die reale Welt passenden Eigentumsbegriff. Es ist unvollständig, wenn man behauptet, Uli Hoeneß habe sein Eigentum verteidigt. Vollständigerweise muss es nämlich lauten: Uli Hoeneß habe sein in diesem unfreien System erwirtschaftetes Eigentum verteidigt. Das ist insofern wichtig, weil der Staat kein neutraler Agent ist, wenn Menschen miteinander wirtschaften. Staat führt durch Eingriffe, Gesetze, Steuern usw. zu Umverteilungseffekten. Darin ist Uli Hoeneß eher ein Gewinner, als ein Verlierer, ebenso wie der FC Bayern München. Das gilt es sich klar zu machen, weil man sonst den Umverteilungsetatisten in die Falle geht.

Das gegenwärtig geschaffene und verteilte Eigentum lässt eine sehr ungleiche Gesellschaft entstehen, weil der Staat in die Schaffung und Verteilung von Eigentum eingreift. Das tut er heute, das hat er gestern getan. Die Forderung der Libertären muss also lauten, die Menschen vom Staat befreien, Schaffung und Verteilung von Eigentum entstaatlichen, um die Strukturen zu beseitigen, die das Ungleichgewicht der Menschen institutionalisieren.

Staatlliche Eingriffe behindern die Armen, während sie die etablierten schützen. Da dies die Etatisten nicht sehen oder sehen wollen, fordern sie noch mehr Staat, was zu noch mehr Ungleichheit führt. Die gegenwärtig durch den Staat geschaffene und verteilte Ungleichheit von Eigentum sollte man nicht mit dem libertären Eigentumsbegriff gleichsetzen. Daraus folgt: In Diskussionen das gegenwärtig existierende Eigentum nicht unter dem Schein, es handele sich um einen libertären Eigentumsbegriff, verteidigen. Sondern: Das gegenwärtig existierende Eigentum mit dem Verweis verteidigen, dass es darum so ungleich und ungerecht geschaffen und verteilt in der Welt existiert, WEIL der Staat eingreift. Verteidigen meint: Die etatistische Forderung nach noch mehr Staat zurückzuweisen und als den heimtückischen Versuch offen zu legen, noch mehr Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten durch den Staat schaffen zu wollen.

Die richtige Form, um auf die bestehende Schaffung und Verteilung von Eigentum zu reagieren, liegt in der Notwendigkeit, den Staat herauszunehmen. Umso mehr sich der Staat zurückzieht, umso mehr Lebensbereiche entstaatlicht werden, umso öfter das radikale Prinzip der freiwilligen Kooperation gilt, desto gleicher und gerechter kann Eigentum geschaffen und verteilt werden. Das heißt nicht, dass es zwingend der Fall ist. Jedoch wird niemand durch staatliche Eingriffe geschützt und mit Privilegien ausgestattet und kein anderer daran gehindert, sein Leben zu verbessern und unternehmerisch tätig zu werden. Es obliegt dann den Menschen, was sie aus ihrem Leben machen wollen. Heute ist dies eine Farce, denn sie werden oftmals dazu gezwungen, nichts aus ihrem Leben machen zu können. Die gegenwärtigen Extreme aus arm und reich sind institutionell einbetoniert. Gesetze haben sie geschaffen. Die Wegnahme von Gesetzen kann es beenden. Dass ein jedes Gesetz einen Gewinner und einen Verlierer kennt, ist so sicher wie das Amen in der Kirche, wusste schon Ludwig von Mises.

Wenn sich ohne Staat Ungleichheiten einstellen, dann sind diese darum gerecht, weil niemand die Herrschaft über Menschen ausübt, die sie ihrer Möglichkeiten beraubt. Insofern sind diese Ungleichheiten dann auch selbst verschuldet,selbst gewollt. Dennoch ist es möglich und denkbar, dass die Gleichheit ohne Staat im Vergleich zur Gegenwart eher zunimmt als abnimmt, einfach weil den Etablierten der Staatsschutz abhanden kommt, während den durch den Staat behinderten Chancen und Perspektiven zu Teil werden. Mathematisch gesprochen würden die Menschen sich hauptsächlich zwischen dem Bauchnabel und dem Kehlkopf aufhalten, während wenige am Oberschenkel und die allerwenigsten am Knöchel wären. Einige wären auf der Stirn zu finden, doch jede Körperstelle ist nicht institutionell einbetoniert. Man wäre des eigenen Glückes Schmied. Und wer all zu viel Pech hätte, würde sich in einer Gesellschaft wiederfinden, in der viele Menschen mehr als Heute, in der ökonomischen Lage wären, Hilfeleistung und Unterstützung ausüben zu können. Mit wachsendem Wohlstand, der bei den Menschen und nicht bei wenigen ankommt, werden immer breitere Schichten der Gesellschaft in die Lage versetzt, finanzielle Hilfeleistungen ausüben zu können. Doch auch unternehmerische Formen von Unterstützung sind denkbar, die heutzutage mitreguliert werden und gar nicht zum tragen kommen können.

Auch ist zu betrachten, dass sich Menschen Zeit nehmen könnten für andere, weil man aus freien Arbeitsmärkten nicht rausfallen kann, wie aus dem heutigen System, und man nach längerer Arbeitsabstinenz auch nicht auf lebenslange Transferleistungen angewiesen wäre, weil das System dem Spiel einer "Reise nach Jerusalem" gleiche, wie das Heute der Fall ist.

Beenden möchte ich diese Gedanken mit einem Appell an Libertäre: Seit achtsam, welchen Eigentumsbegriff ihr wirklich verteidigen wollt, wenn ihr vor der trügerischen Konfrontation einer scheinbaren Gegensätzlichkeit steht. Denn in beiden Fällen handelt es sich um Etatismus und die Verteidigung eines Eigentumbegriffes, dessen Wesen etatistischen Strukturen zu verdanken ist, sollte nicht als staatenloses Eigentumsideal verteidigt werden. Dies zur Aussprache zu bringen ist wichtig und kann Gräben, gerade mit gutmeinenden linken Umverteilern vielleicht schließen, so lange sie es wirklich nur darum fordern, weil sie etwas gutes für die Menschen zu bewirken beabsichtigen. Ihnen ist aufzuzeigen, dass man durch Umverteilung noch mehr des selben fördert, dass man zu beseitigen beabsichtigt. Wer den Etablierten schaden und den Armen und Benachteiligten helfen will, muss fordern, die staatlichen Eingriffe aufzuheben. Ob Uli Hoeneß und der FC Bayern München damit einverstanden wären, weiss ich aber nicht.


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Rubriken: Eigentum

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