In der Freiheit bildet sich das Leben ab

Tommy Casagrande

Freiheit ist das, aus dem alles entsteht. Die Natur ist frei in ihrer Entwicklung, ihrem Werden und Vergehen. In ihrem kreativen und unendlich scheinendem Schöpfungsakt schafft sie voller Fantasie Elemente, Stoffe, Bausteine, Organismen, Existenz in allen möglichen Farben und Verhaltensweisen. Die einzige Begrenzung, die ihr zugrunde liegt, sind die Gesetze, innerhalb derer sie wirkt. Freiheit ist das, was in Fabeln, Romanen, Geschichtsbüchern, Gedichten und gegenwärtigen Existenzen die Sehnsucht der Eingesperrten beflügelt.

Wir Menschen begrenzen unsere Freiheit in unnötiger Weise. Einerseits sind auch wir den Gesetzen, welche die Natur uns vorgibt, unterworfen. Ebenso jedoch sind wir den Gesetzen der Ökonomie unterworfen, die uns, ob wir es akzeptieren oder nicht, dazu zwingt, unser menschliches Handeln subjektiv auf jene Art und Weise einzusetzen, wie es ein jeder, subjektiv, für sich als am gewinnbringendsten erachtet. Da unser Leben, sowie auch alle weltlichen Güter nach denen wir streben, letztlich endlich und sohin als knapp bezeichnet werden kann, sind wir dazu des Schicksals verhaftet, nicht alles haben zu können, was wir haben wollen und müssen uns stets in jeder Minute des Lebens entscheiden.

Vielleicht mag es diesem Umstand geschuldet sein, dem ersten ökonomischen Gesetz, nachdem alle Güter knapp sind (vielleicht aber auch dem Machtdurst der Menschen), diese scheinbare Enge überwinden zu wollen, um per Gesetz die Verhältnisse eines Schlaraffenlandes zu erschaffen. Durch die daraus resultierende Gesetzesflut, die per definitionem als hyperinflationäre Intervention der Politik in das menschliche Leben bezeichnet werden kann, wird der sogenannte Mach(t)barkeitswahn zum Wesen der Politik. Alles ist möglich, wenn "wir" nur wollen. Alles ein Ausdruck des Willens oder Unwillens. Nicht sichtbare, aber mit Logik erfassbare Gesetze, wie sie in der Natur vorkommen, werden in der Ordnung einer menschlichen Gesellschaft, der Ökonomie als Lehre des menschlichen Handelns bestritten, um herrschaftliche Dystopien im Sinne alternativloser Ideologie gegenüber selbstbestimmten Utopien postulieren zu können.

Staat bedeutet Herrschaft von Menschen über Menschen. Es bezeichnet einen Zustand, der davon ausgeht, dass die meisten Menschen unfähig sind, für sich selbst, richtige Entscheidungen zu treffen oder aber die Ignoranz einzusehen, dass Menschen aus falschen Entscheidungen ebenfalls sehr viel für sich lernen können. Indem man Menschen davon abhält, falsches zu tun, können sie nicht durch eigene Erfahrung den Standpunkt von richtig und falsch erkennen lernen, der sich aus dem Leben herausbildet. Menschen davor zu bewahren, Erfahrungen zu machen, bewahrt Menschen davor, zu leben. Leben selbst ist ein ergebnisoffener, für einen jeden, sehr individuell gedeihender Prozess. Was man daraus zieht, das einem widerfährt, obliegt dem Resumee des Individuums.

Politik, die darauf abzielt, richtige und falsche Erfahrungen steuern zu wollen, beabsichtigt nicht weniger als die Kontrolle über die Menschen, die in der Praxis einen allmählich spürbaren Verlust der individuellen Freiheit bedeutet, dem ein Niedergang mit alledem folgt, was die schöpferische Substanz der Freiheit in sich birgt.

Rubriken: Toleranz/Transparenz

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