Reaktionärer Libertarismus - Grenzen schließen als Anpasung an die Realität

Tommy Casagrande


Wer behauptet, er sei libertär und zugleich die Position geschlossener Grenzen vertritt, ist reaktionär.

Begründungen:


1. Die Illusion der Gated-Community

Wer für geschlossene Grenzen eintritt, behauptet implizit, dass Politiker das Territorium eines Landes im Namen seiner Bürger verwalten würden (Frage: Welcher Bürger ?). Wie kann eine Kollektiv-Verwaltung umsetzbar sein, wenn es dabei einander widerstreitende Positionen darüber gibt, wie verwaltet werden soll ? Die Folge: Keine Gerechtigkeit dem Individuum. Die durch eine solche Position genährte Illusion ist jene, der Staat sei eine Gated-Community. Sorry: Das ist er nicht. Kein staatliches Territorium kann eine Gated-Community sein, sonst wäre Staat kein Staat. Definitionsfehler: Staat sei gleichgesetzt mit einem Privatgrundstück. So zu tun als sei Staat ein Privatgrundstück ist pseudo-libertär und daher reaktionär.


2. Die Illusion der territorialen Legitimation

Wer für geschlossene Grenzen eintritt, behauptet implizit, dass es eine territoriale Legitimation des Staates gäbe, die sich ethisch und rechtlich begründen ließe. Der nächste Irrtum: Ethik und Recht legitimieren staatliches Territorium gerade NICHT. Die Entstehung des Staates sei bei Franz Oppenheimer nachzulesen, die Illegitimation von staatlichen Territorien bei Lysander Spooner. Wer darum behauptet, die Grenzen gehörten geschlossen, anerkennt jedoch das staatliche Territorium und übergeht die Fragen nach Ethik und Recht, die der Frage nach der Legitimation des staatlichen Territoriums vorausgehen.


3. Die Illusion, dass MEIN Staat besser sei als DEINER

Flüchtlingen durch eine Politik geschlossener Grenzen zu verbieten, sich frei zu bewegen wie es auch Tiere tun können ist etatistische Willkür und hat mit Libertarismus nichts zu tun. Derjenige der dieses Verbot der Bewegungsfreiheit gerne hätte, übersieht, dass mit der selben Kompetenz grundsätzlich jedem Bürger die Bewegungsfreiheit entzogen werden kann. Wem man nun welche Bewegungsfreiheit entzieht ist Hemd wie Hose. Es spielt keine Rolle. Die subjektive Willkür, was der Staat tun und lassen sollte ist Ausdruck der Prämisse: "Lieber soll der Staat nach Meinem Gutdünken herrschen als nach Deinem". Skurril ist dabei nur eines, nämlich, dass jene die behaupten, der Staat solle nach ihren Kriterien herrschen, sich gleichzeitig hinstellen und behaupten, er sollte eigentlich gar nicht herrschen. Ja was denn nun ? Etwas schizophren diese Haltung... Und nebenbei leidet eine solche Position am Größenwahn des Einzelnen. Denn zu behaupten, ein Staat solle etwas in seinem Interesse, impliziert, dass jemand meint, der Staat solle seine subjektiven Vorlieben bevorzugend behandeln, als gehöre ihm der Staat. Sonst noch Wünsche ?


4. Staatliches Territorium ist kein Privatbesitz

Niemandem gehört jeder Quadratmeter eines staatlichen Territoriums. Daher ist es vollkommen größenwahnsinnig im Namen aller für geschlossene Grenzen einzutreten. Er kann lediglich über sein Eigentum verfügen oder sollte dies einfordern es zu dürfen. Aber er darf nicht über etwas richten, dass nicht seines ist. Und nur weil das staatliche Territorium kein privates Grundstück ist, ist es dennoch unzulässig darauf basierend anderen Menschen ihr Recht auf Selbsteigentum zu beschneiden indem sie sich von A nach B bewegen.


5. Die Parteiergreifung zwischen den falschen Alternativen

Gerne wird als Ausrede für weitere staatliche Maßnahmen argumentiert, dass, weil es den Sozialstaat gibt, es erforderlich sei, die Menschen daran zu hindern, ihr Selbsteigentum ausüben zu dürfen indem sie sich frei von A nach B bewegen. So werden dann 2 faule Eier zum kochen verwendet. Doch weder das eine, noch das andere muss man essen. Weder brauche ich das Selbsteigentum von Menschen verletzen, die sich frei von A nach B bewegen wollen, noch den Sozialstaat ausbauen. Erst kann man die Menschen in´s Land lassen und dann das System auf die neuen Gegebenheiten anpassen indem man Beschränkungen des Geld verdienens abbaut. Sir Edward Konkin III. sagte einst: "Wenn du schon für etwas eintrittst, dann sollte es das (ethisch und rechtlich) richtige sein, falls du annimmst, du hast einen Einfluss. Wenn du keinen Einfluss hast, ist es auch egal wofür du dich einsetzt."


6. Die Realität als Ausrede

Weil die Realität ist wie sie ist, musst man etatistische Positionen vertreten. Und gleichzeitig bezeichnet sich jener als libertär ? So nicht. Denn mit der Anerkennung der Realität wie sie ist, und den daraus resultierenden nicht-anarchokapitalistischen Lösungsansätzen, gehen die Etatisten mit jenem reaktionären Libertären dacord und wählen dann eine der zur Wahl stehenden etatistischen Parteien. die auf Grundlage des selben geistigen Fundamentes, Realität als Ausrede heranzuziehen, für noch mehr Staat einstehen. Somit gibt es keinen wirklichen Unterschied zwischen einem reaktionären Libertären und einem Etatisten. Damit ist die Opposition KEINE mehr und die Interventionsspirale nimmt erfolgreich ihren Lauf.

 

***



 

Rubriken: Einwanderung Freiheit

... zurückblättern