Arbeitslos zu sein ist kein unmoralisches Verhalten

Tommy Casagrande


Manche meinen, ein Arbeitsloser stehe in der gesellschaftlichen Schuld, müsse niederknien und Danke sagen, weil er von Steuergeld lebt. Doch gegen diese Denkweise, setze ich mein Wort.

Ein Arbeitsloser braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, von Steuern zu leben. Er macht es ja nicht freiwillig. Das Problem ist unser unfreies System. In einer freien Marktwirtschaft gäbe es so gut wie keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit. Wir sind Lichtjahre von einer freien Marktwirtschaft entfernt. Es gibt aufgrund unseres planwirtschaftlichen Systems weniger freie Stellen als es Suchende gibt. Sowas ist immer Ausdruck von Planwirtschaft. Blöderweise glauben viele Menschen, das gegenwärtige System sei die ultimative Freiheit. Wenn es die Freiheit wäre, wäre ja wohl kaum so viel verboten um sein eigenes Leben zu verbessern.

Man müsste mal jedes einzelne Gesetz durchgehen und es auf seine wirtschaftlichen Konsequenzen hin überprüfen. Dazu würde man ein wissenschaftliches Team benötigen, dass sich mit der Funktionsweise einer Marktwirtschaft auskennt.

Es ist jedoch immer zynisch und heuchlerisch, wenn Menschen behaupten, Arbeitslose seien faul. Wer das sagt, versteht die Funktionsweise unseres Systems nicht und verurteilt die Opfer staatlicher Eingriffe, auch noch daran Schuld zu sein, dass sie Opfer staatlicher Eingriffe sind. Eine solche Position ist darum zynisch, weil sie ignoriert, dass wir eben keine freie Marktwirtschaft und darum auch nicht für alle Menschen genug Arbeitsplätze haben.

Wer beklagt, dass Arbeitslose von Steuergeld leben, der sollte sich für Staatsabbau einsetzen, sodass es genug Arbeit gibt, damit auch Arbeitslose wieder eine Arbeit finden. Man wird aber feststellen, dass auch viele Unternehmer und Berufstätige nicht bereit sind, für Staatsabbau einzutreten, weil sie selber auf direkte oder indirekte Weise aufgrund staatlicher Eingriffe profitieren. Dass darum andere Menschen aus dem Arbeitsprozess ausscheiden stört die meisten nicht, so lange sie meinen, dadurch zu profitieren. Aus diesem Grunde führt unser System auch dazu, die falschen "anzuklagen". Arbeitslose sind Opfer staatlicher Tätigkeit und nicht ihre Gewinner oder ihre Profiteure. Das ist soziologisch nicht möglich. Man muss also schauen, welche Gründe gibt es für jene die im Arbeitsprozess verbleiben oder sich etabliert haben, staatliche Eingriffe zu fordern, welche die Wirkung haben, andere aus dem Arbeitsprozess rauszuwerfen. Und es geht dabei stets um höhere Einkommen und Einnahmen. Es sind immer ökonomische Interessen im Spiel, wenn staatliche Eingriffe gefordert werden die im Nebeneffekt unfreiwillige Arbeitslosigkeit produzieren.

Flankiert wird all das durch die Zentralbank-Inflation. Auch das ist Planwirtschaft. Der Zins wird gesetzt. Er ist nicht das Ergebnis eines freien Wettbewerbs von Angebot und Nachfrage. Den gibt es weder bei Währungen, noch im Bankensystem. Alles ist reguliert. Und dann nehmen die Lebenshaltungskosten zu, Kaufkraft geht verloren und Menschen fordern höhere Löhne was dann bedeuten kann, einige Leute zu entlassen. Das Geld, wenn Inflation betrieben wird, kommt ungleich in den regulierten Markt. Sonst würde Inflation keinen Sinn haben. Sie begünstigt die Erstempfänger auf Kosten der Letztempfänger (Sparer, Pensionisten, Arbeitslose...).

Man kann natürlich hunderte Seiten zu dem Thema schreiben um die Punkte detailierter zu bearbeiten aber für die Aufmerksamkeit der Forum-User könnte das schon reichen. Unser System funktioniert nicht. Es wird noch schlimmere Krisen geben und das geht so lange bis man das System am Ende radikal umbauen muss. Ökonomische Regeln kann man politisch nur eine gewisse Zeit lang brechen. Danach bricht man selbst mit ein, weil das Eis auf dem man steht immer dünner wird. Man kann als Mensch nicht eine Utopie errichten die sich weigert, universelle Wahrheiten anzuerkennen. Man muss sich als Mensch den Wahrheiten fügen. Ob einem das passt oder nicht. Ich kann beispielsweise nicht überleben wollen aber gleichzeitig nichts mehr essen. Das widerspricht sich. Wenn ich nichts mehr esse, verhungere ich und lebe nicht mehr. Ich kann keinen Kuchen aufbewahren und gleichzeitig essen. Wenn ich ihn esse, habe ich ihn nicht aufbewahrt.

Und das ist das Problem in unserer Demokratie. Wir glauben, dass wir die Gesellschaft formen können wie wir wollen ohne dabei Wahrheiten zu beachten. Und das funktioniert nicht. Beigetragen dazu hat auch eine Phase der Pseudo-Philosophie die im Selbstwiderspruch glaubt, dass alles gleichzeitig wahr sein kann, jeder Widerstreit. Oder im umgekehrten Falle gar keine Wahrheit existiere und seltsamerweise hat man dennoch immer Aussagen parat, die man für wahr hält, wie eben die Aussage, dass es keine Wahrheit gibt. Selbstwidersprüche haben den Boden bereitet oder sind widerum nur ein Symptom des falschen Systems. Darüber könnte man nun spekulieren.

Wenn man weder Ludwig von Mises, noch Murray Rothbard kennt, wird es natürlich schwierig eine Gesellschaftsvision zu haben, die nachhaltig und stabil ist, sowie für Freiheit und Frieden steht. Und in der es keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit gibt und ein Mensch seines eigenen Glückes Schmied ist. Wer will sich anmaßen zu glauben, er wisse, was Glück sei, was es individuell bedeute und schmiede es für jemand anderen ?

 

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Rubriken: Arbeit Solidarität Etatismus Finanzsystem

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