Zynismus pur: Wer sich den Staat nicht leisten kann, hat auch am Markt nichts zu suchen!

Tommy Casagrande


In manchen Kommentaren, die ich im österreichischen Standard online lese, wenn es um fehlende Unternehmensgründungen in Österreich geht, explodiert der Zynismus auf erschreckende Weise. Manche Leute fragen ernsthaft, welche staatlichen Schikanen, Hürden oder Barrieren es für Unternehmer denn gäbe ? Sie tun so, als hätten alle existierenden Gesetze, Steuern und Abgaben des Staates keinerlei Auswirkung auf die Wirtschaft. Als wenn Wirtschaft und Staat in einem von einander getrennten Universum agieren würden.

Seltsam ist dabei nur, dass der Staat seine Eingriffe auf die Wirtschaft bezieht. Bleiben diese etwa folgenlos und verpuffen in den Weiten des Universums, ehe sie das andere Universum erreichen ? Leben wir also in Wirklichkeit in einer wirtschaftlichen Anarchie, wo jeder tun und lassen kann was er will, so lange er keinem anderen schadet ? Wieso aber gibt es dann Arbeitslosigkeit ? Wieso füllt lediglich Netto die Geldtasche und das Konto, aber nicht das Brutto ? Wieso agieren Marktakteure dann exakt im Sinne der Gesetze des Staates ? Tun sie es freiwillig ? Warum gibt es dann eine Wirtschaftskrise ? Ist sie etwa eine Fatamorgana unserer Sinne ?

Manch ein Kommentar ergeht sich in perversestem Zynismus, wenn behauptet wird: "Wer sich die staatlichen Eingriffe (anscheinend gibt es dann doch welche), die Sozialversicherung, die Standards, die Steuern und Abgaben, was auch immer, nicht leisten kann, der habe als Unternehmer auch nichts am Markt zu suchen. Kann man auf noch perversere Weise eine zynische Haltung einnehmen ? Wenn die unethischen, unrechten Eingriffe des Staates dem Individuum auferlegt werden (wohlgemerkt ist die Kennzeichnung eines Individuums, dass es sich um Ungleiche handelt) und man behauptet dann, Individuen die nicht gleich genug sind, mit diesen Eingriffen so umzugehen wie andere, die haben auch kein Recht auf ihre individuelle Freiheit als Unternehmer auf dem Markt, so ist das eine kollektivistische Rechtfertigung die Freiheitsrechte des Individuums zu unterdrücken.

Gerade weil Menschen Individuen und somit ungleich sind, sind sie ungleich in vielem. Eine Vereinheitlichung des Marktes kann der Individualität des Mensch-Sein nicht gerecht werden. Menschen sind verschieden darin etwas anzubieten, so wie sie verschieden darin sind etwas nachzufragen. Menschen sind genauso verschieden darin, a uf welchem Niveau und Standard sie etwas anbieten und nachfragen können oder wollen. Diese Verschiedenheit, die eine Vielfalt mit sich bringt, wird damit unterdrückt, indem man sagt, dass der Staat Hürden schaffen müsse um der Vielfalt Einhalt zu gebieten. Daraus entsteht aber EINFALT sowie viele unbefriedigte Bedürfnisse aufgrund nicht zustande gekommener Tauschbeziehungen.

 

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Rubriken: Etatismus Finanzsystem Steuern Freier Markt

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