Zeitzeuge eines sich verdunkelnden Himmels

Tommy Casagrande


Soeben habe ich ein Zitat gelesen, welches lautete: "Zensur von Facebook und Internet, Gedankenpolizei für soziale Netze, Kontoüberwachung und Zwangsabgaben, Verschärfung von Meinungsdelikten und Aufbau neuer militärischer Einheiten. Was DU gerade erlebst? Die Errichtung einer Diktatur. DU bist Zeitzeuge."

All das geschieht unter Beihilfe von Teilen der Bevölkerung.

Die Bevölkerung fordert Verbote, die Bevölkerung fordert staatlichen Schutz, die Bevölkerung fordert staatliche Maßnahmen, die Bevölkerung fordert, fordert, fordert und gibt dem Staat all die Macht um zur Diktatur zu werden.

Nicht umsonst ist das Wort Liberalismus oder liberal sein so verpönt. Es steht einer allumfassenden Staatsmacht im Wege.

Der simple Grund ist einfach, dass die meisten Menschen naiv sind. Ich bin nicht arrogant, wenn ich das sage. Es ist einfach so. Ich bin nicht froh darüber, dass ich das sagen muss und hätte es gerne anders, aber selbst ich, jemand der all sein Wissen einfach aus über zehn Jahren lesen liberaler und libertärer Bücher bezogen hat, ohne dass ich ein großer Star bin, habe begreifen können, was die Welt zusammenhält oder entzweit. Und die Reaktion meiner Mitmenschen auf mich ist meist negativ, weil sie im Affekt abstreiten, dass ich recht habe. Sie beschimpfen mich, sie machen sich lustig über mich und sie halten mich für einen Idioten der fantasiert. In Wahrheit habe ich leider recht oder anders, jene die ich lese haben recht. Ich gebe das Wissen ja nur weiter.

Auch demokratiekritisch müssen wir sein, wenn wir etwas ändern wollen. Die meisten Menschen setzen Demokratie mit Freiheit gleich. Ok. Folgendes Gedankenexperiment. Wie viel dieser demokratisch gleichgesetzten Freiheit bleibt erhalten, wenn Jahr um Jahr Teile des Volkes sich für die Beseitigung bestimmter individueller Freiheiten aussprechen? Die einen fordern ein Verbot der Massentierhaltung, die anderen ein Verbot von Drogen und Glücksspiel, die anderen fordern ein Verbot von Y und die anderen von Z. Irgendwann genügt all das nicht mehr. Der Staat wird total überfordert und immer dicker. Die individuelle Freiheit, über sein eigenes Wohl und Wehe zu bestimmen, wird einem aus den Händen genommen. Was ist das für eine Demokratie wo man nichts mehr tun darf? Was unterscheidet sie vom Totalitarismus? Ab wann ist die Grenze überschritten?

Eine solche Demokratie, in der individuelle Freiheiten sukzessive abgeschafft werden unter der tatkräftigen Unterstützung von Teilen der Bevölkerung, wird wenig mit dem Bild einer Demokratie gemein haben, welches sich die Menschen jedoch vorstellen. Und das ist das schizophrene an der ganzen Entwicklung. Die Ahnungslosigkeit im Bezug über die politische Theorie und die Folgekonsequenzen sind fatal...

Fatal ist auch, dass die meisten Menschen ihre Lebenszeit nicht damit vergeuden, sich ökonomisch weiter zu bilden. Man überlässt das anderen. Irgendwer wird es schon machen. Falsch. Wenn man sich damit nicht selber beschäftigt, werden Theorien umgesetzt die nicht funktionieren und wenn man das nicht Weiß, dann beschuldigt man am Ende irgendwelche Sündenböcke.

Das wirtschaftliche System, dass wir haben funktioniert nicht. Zentralbanken sind keine marktwirtschaftlichen Institutionen sondern mit politischer Macht ausgestattete Behörden. Was sie tun ist Planwirtschaft. Sie setzen den Leitzins. Sie tun es ohne das marktwirtschaftliche Wechselspiel aus Angebot und Nachfrage. Sie tun es aufgrund politischer Interessen. Der Leitzins bestimmt den Wert des Geldes, also des Tauschmittels für die gesamten Arbeitsprozesse unseres Wirtschaftsystems. Dieser Wert wird von einer politischen Behörde, der Zentralbank, einfach gesetzt. Das ist das Gegenteil von Marktwirtschaft. Es beruht nicht auf Angebot und Nachfrage. Die vom Staat in ihrer Freiheit regulierten Geschäftsbanken folgen den Setzungen der Zentralbank im Regelfall und brauchen auch die Spareinlagen nicht zu decken, da im Notfall die Zentralbank einfach neues Geld druckt.

Dieses ganze perverse Wirtschaftssystem, das mit Marktwirtschaft NICHTS zu tun hat, verursacht im besten Falle, kurzfristige, künstliche Stimulierung der Konjunktur. Es verursacht eine private und staatliche Verschuldung. Auf dieser Grundlage beruht dabei die kurzfristige, künstliche Konjunktur. Der Staat kann Bevölkerungsgruppen über die Staatsverschuldung kaufen und korrumpieren. Auch hierfür ist der niedrig gesetzte Zins günstig. Auf diese Weise wächst der Staat in seiner Macht und auf diese Weise lassen sich die individuellen Freiheiten beseitigen. Der Beschäftigungssektor für Menschen die beim Staat oder staatsnahe arbeiten, erhöht sich. Der Beschäftigungssektor in der Privatwirtschaft nimmt ab. Die Menschen identifizieren sich mehr und mehr mit dem Staat und wollen umso mehr, dass alles Leben am Ende verstaatlicht ist oder aber, dass es so kommt ist einfach eine Zwangsläufigkeit aus dieser Spirale.

Doch ein solches System lebt nicht ewig. Wirtschaftskrisen entstehen als Folge dieses Fiat-Money-Systems mit Zentralbankzins und Teilreservedeckung der Geschäftsbanken. Diese Wirtschaftskrisen verursachen Massenarbeitslosigkeit und zerrütten im Zuge dieses nicht-marktwirtschaftlichem Geldsystems ganze Gesellschaften und radikalisieren Bevölkerungen, treiben diese radikalen Parteien zu, die nicht unbedingt eine Rückkehr zur Marktwirtschaft präferieren. Die Krise selbst wäre der Bereinigungsprozess für fehlgeleitete Ressourcen tausender Unternehmen in Folge des Zentralbankzinses und in Folge dieses billigen Geldes doch lassen Staaten es meist nicht zu, dass es zu einem reinigenden Gewitter marktwirtschaftlicher Art kommt. Der Staat greift ein und verzögert das Leiden der Menschen mit der Begründung, es zu lindern.... Auch Staatsbankrotte sind eine Folge eines solchen Geldsystems, denn wenn das Bankensystem droht zusammenzubrechen übernimmt ein Staat oft die Haftung, weil ein Bankenzusammenbruch natürlich auch das Wirtschaftssystem in den Abgrund reißen kann. Würde man prompt freie, unregulierte Marktwirtschaft machen, wenn es zum Zusammenbruch käme und die Gesellschaft würde privat in der harten Zeit den Schwächsten helfen, könnte man das ganze Übel überstehen. Das Problem ist, dass all das den meisten nicht bewusst ist. Darum konkurrieren zumeist falsche Ideen miteinander anstatt gemeinsam für das gute und richtige an einem Strang zu ziehen. Und das bedeutet, dass es für die Schwachen meist keine schöne Zeit ist, wenn dann das System, dass sie zuvor in Abhängigkeit zum Staat getrieben hat, Game Over geht.

Die Begründung, es brauche Staat um den Armen und Schwachen zu helfen, offenbart sich in jenen Krisen somit als Zynismus, weil es in Wirklichkeit umgekehrt ist. Arme und Schwache brauchen die Freiheit ihrer selbst und die Freiheit anderer um ihr Leben zu verbessern. Die Abhängigkeit sogenannter Armer und Schwacher zum Staat nützt immer nur den Starken, die zumeist ja genau jene Gesetze zur staatlichen Abhängigkeit befürwortet haben. Sie haben weniger Konkurrenz beim Geld verdienen und geben in Form von Steuern halt einen gewissen Betrag ab. Doch auch für diese Menschen ist der vermeintliche Vorteil durch den Staat nur ein Irrglaube. Wenn dann das Schiff sinkt, sitzen alle im gleichen Boot und die Illusion, dass jedermann glaubte auf jedermanns Kosten leben zu können, wie Frederic Bastiat es einst erklärte, platzt wie ein Luftballon.

Was also wäre jetzt zu tun, fragt sich mancher? Ganz einfach und doch aus unserer gegenwärtigen Sicht utopisch.

Die Macht des Staates zurückbauen. Allein bei dieser Forderung hat man viele Teile der Bevölkerung gegen sich und zugleich lamentieren dieselben Menschen, dass sie perspektivlos und unfrei geworden ist und die Zeiten sich nicht verbessert haben. Man muss sich also entscheiden! Wenn man wirklich meint, es ist nicht gut, muss man auch den Mut haben, eine andere Realität für möglich zu halten. Man kommt nicht weiter, wenn man einerseits jammert und lamentiert aber zugleich nicht will, dass sich etwas Grundsätzliches verändert!

Die Macht des Staates zurückbauen, tausende Gesetze ersatzlos abschaffen, die Steuern drastisch senken, die Zentralbank abschaffen bzw. ihr das politische Monopol entziehen, sodass sie wie eine reine private Einrichtung agieren kann ohne dass man auf sie hören muss, einen freien, unregulierten Geld- und Bankenmarkt zulassen worin jedes Geldhaus seine eigene Währung den Menschen anbieten kann. Was die Menschen wollen, setzt sich durch, was die Menschen ändern wollen, wird sich durch die Menschen ändern.

Demut, Hilfsbereitschaft, Toleranz, Achtung und Respekt vor der individuellen Freiheit und unsere Welt würde mit einem Schlag fast idyllisch werden. Und auch Flüchtlinge hätten darin einen Platz, ohne dass jemand das Gefühl hätte, ihm würde etwas weggenommen. Es wäre jeder Mensch eine Bereicherung, weil in einer freien Marktwirtschaft die Tendenz besteht, dass es immer zu wenig Arbeiter gibt und zu viel Arbeit. Durch staatliche Eingriffe kehrt sich das in sein Gegenteil um. Es gibt weniger Arbeitsplätze als es arbeiten wollende Menschen gibt.

Wenn jeder in sich hinein hört, muss er einfach spüren, dass individuelle Freiheit niemals etwas Schlechtes, Böses oder negatives sein kann. Niemals kann die individuelle Freiheit zu Zuständen führen, die man alternativlos ertragen muss. Freiheit ist immer offen für alternative Wege. Doch all das fehlt heute. Wir warten was eine Hand voll Menschen tun wird, die mit politischer Macht ausgestattet sind. Wir warten darauf was sie vereinbaren, was sie vorhaben, was sie bereden. Wir sind in einer ohnmächtigen Lage, abhängig zu sein, wie unser eigenes Leben sich ändert, wenn andere Menschen etwas bestimmen.

Und ich denke, wenn man Demokratie hinterfragen will oder wenn man vielleicht den Demokratiebegriff zurückerobern will, der seinen Ausgang darin nahm, es als einen gesellschaftlichen Zustand der Freiheit gegen den Staat zu sehen, dann muss man die Abhängigkeit vom Staat als ein Kriterium definieren, dass weder diesem Demokratiebegriff entspricht, noch einem Begriff von Freiheit.

 

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