Grenzen dicht, keine Flüchtlinge = Ausdruck planwirtschaftlichen Denkens

Tommy Casagrande


Die gemeine Argumentation lautet: Wenn man die Grenzen schließt, ist es ökonomisch billiger, als wenn Flüchtlinge in das Sozialsystem einwandern. Was ich mich frage: Geht dieser Argumentation nicht schon der starre Blick auf eine starre Wirtschaft voraus? Wirtschaft bedeutet praxeologisch, dass das Handeln nicht absehbar ist. Das kann sich nun auch auf die Entwicklungen der Schwarzarbeit beziehen, ebenso, wie es sich auf die Möglichkeit beziehen kann, dass unter dem Druck auf den Staatshaushalt vielleicht tatsächlich Markteintrittsbarrieren reduziert werden müssen.

Ist nicht der Blick, dass sich bei Zunahme von A auch die Kosten für A automatisch erhöhen und die Annahme, dass es nur diese eine anzunehmende Möglichkeit, wie das Leben verlaufen kann, gibt, ein genauso starrer wie es die Wirtschaft bereits selbst ist? Geht man damit nicht der Planwirtschaft auf den Leim, wenn die eigene Vorstellungskraft genauso in Starrheit verfällt wie die Realität, die man betrachtet?

Wenn man die Aufnahme von Flüchtlingen mit der Voraussetzung, das System sei starr, ablehnt, dann lehnt man damit zugleich doch genau die Möglichkeit einer Entstarrung ab, die aufgrund einer vollkommen neuen Situation entstehen könnte. Dass die Möglichkeit bestehen kann, den Staatshaushalt ohne Zusammenbruch des selbigen zu einer Art Perpetuum Mobile des Staatswachstums zu machen, geht vollkommen an jeder ökonomischen Einsicht vorbei, dass es immer eine Endgrenze gibt, um ein solches System dauerhaft am Leben zu erhalten. Insofern ist nicht nachvollziehbar, dass Menschen die in "sicheren" Zeiten immer davon sprachen, dass ohnehin alles zusammenbrechen würde, plötzlich kalte Füße bekommen, wenn die Lage ernster wird und dann versuchen, alles zu tun, damit der von ihnen prophezeite Zusammenbruch doch nicht eintreten möge. Vielleicht sollten die Menschen besser vorher überlegen, was sie sagen und wollen und es nicht nachher bestreiten, denn Glaubwürdigkeit ist ein ernst zu nehmender Faktor.

Eine starre Wirtschaft wird betrachtet als System, dass von Ingenieuren bedient werden muss. Ist nicht die Betrachtung, Flüchtlinge wandern in ein solches System und alles geht seinen gewohnten Gang weiter, nur die Kosten steigen linear, genauso starr? Ist es nicht etwas starr, wenn man feste Aggregate benutzt, die man dann miteinander vergleicht, um zu bewerten was besser ist? - auf der einen Seite die linear gerechneten Flüchtlingskosten (ohne Denkmöglichkeit, dass das Leben sich neue Wege sucht, sodass diese lineare Kostenrechnung danebengeht -Schwarzarbeit oder Absenkung von Markteintrittsbarrieren) und auf der anderen Seite die hypothetischen linear, meist optimistisch, gerechneten Kosten für die geschützten Staatsgrenzen (um von vorn herein aufzuzeigen -mit Absicht, dass die günstigere Politik die Abschottungspolitik sei. Dabei werden Kosten nicht hinzugerechnet, die natürlich auch sich ergeben können in Folge einer solchen Politik, die man aber unter den Teppich kehrt. Hoppe hat, als er die Chicagoer Schule kritisierte, ein solches Beispiel listigerweise gebracht. Er meinte, Wohlstand bemessen in Geldeinheiten, reduziere den Wohlstand. Dabei ging es darum, dass man nicht pseudoobjektiv wie die Chicagoer Schule herangehen könne und sagen, das was weniger kostet, bringe der sozialen Wohlfahrt mehr. Ist es nicht das gleiche oder etwas ähnliches, wenn man die Staatsausgaben in Geldeinheiten bemisst und argumentiert, dass die soziale Wohlfahrt größer oder die soziale Belastung der Wohlfahrt geringer sei, wenn es weniger Flüchtlinge gäbe, die einwandern können?

Haben nicht die Flüchtlingsgegner die Starrheit des Systems in ihrem eigenen Denken schon übernommen und betrachten alle Vergleichbarkeiten ausschließlich linear und starr, anstatt unvorhersehbar und dynamisch? So starr das System auch sein mag, so ist die Entwicklung einer Gesellschaft doch letztlich nicht in der Weise determiniert, dass alle Geschehnisse vorhersehbar und planbar sind. Ansonsten würde Planwirtschaft ja doch funktionieren und man hat sie bisher nur falsch angewendet.

Mein Gedanke ist: Die Betrachtung, Flüchtlinge wandern ein und verursachen Kosten, die linear hochgerechnet werden bis zum Sankt Nimmerleinstag und das System dabei stabil bleibt, ohne Wandel und alles seinen starren Trott geht wie bisher und man vorhersehen könne, dass die Steuern um Faktor X, Arbeitslosigkeit um Faktor Y und sonstige Faktoren um diverse Werte. die vorhersehbar oder planbar, messbar, ausrechenbar, kalkulierbar seien, im Endeffekt die gleiche Betrachtung auf das Leben darstellt wie sie jene Menschen haben, die diese Systeme theoretisieren, ausdenken und einrichten. Es wirkt auf mich als wenn die Planwirtschaft in der die Menschen leben, dazu führt, dass die Menschen selbst anfangen, in Form der Planwirtschaft Probleme berechnen und lösen zu wollen, und das kurioserweise, obwohl sie sich stets gegen die Planwirtschaft als Übel aussprechen.

Wenn man zugibt, dass menschliche Handlungen und das Leben selbst nicht planbar sind, dann kann man auch keine Kosten vorhersehen, berechnen und planen, weil immer etwas dazwischen kommen kann. Es könnte die Schwarzarbeit zunehmen und Menschen könnten billiger als auf dem regulierten legalen Markt ihre Bedürfnisse befriedigen. Es könnte ein gesellschaftlicher Druck entstehen, vielleicht auch aufgrund der bröckelnden Sozialsysteme, sodass Märkte dereguliert werden müssten. Zur Zeit der industriellen Revolution war es auch erst der Druck hungernder und verhungernder Massen, der die Herrscher veranlasst hat, die industrielle Revolution zu erlauben. Ohne eines solchen Druckes, der einer erhöhten Geburtenrate zu verdanken war, ist nicht sicher, wann sich diese industrielle Revolution letztlich durchgesetzt hätte. Da das Leben nicht vorhersehbar und planbar ist, kann auch niemand vorhersehen ob nicht der Druck zum Abbau von Staat gerade von Flüchtlingen kommen könnte. Von Menschen die ihr Recht einfordern, dass arbeiten zu dürfen ein Menschenrecht darstellt. Dass es ein Recht sei, Handel zu treiben und die sich beklagen, dass der bürokratische Apparat zu viel verbietet und verhindert. Menschen die hungrig und durstig sind können revolutionären Druck entfachen. Menschen die satt sind, wollen nur auf´s Sofa.

Damit will ich sagen: Flüchtlingsgegner zu sein aber das Leben für einen dynamischen, unvorhersehbaren Prozess zu halten, passt nicht zusammen. Gerade weil es zu viele Faktoren gibt, die unvorhersehbarer Weise entstehen oder sich ändern können. In diesem Sinne muss ich unterstellen, dass ein Flüchtlingsgegner davon ausgeht, dass sich keine Parameter im Leben verändern würden. Und diese Betrachtung ist so starr wie die Betrachtung der Gesellschaftsingenieure.

 

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Rubriken: Einwanderung Chaos/spontane Ordnung Freier Markt Arbeit

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