Verengung zu einer einzigen Öffnung

Tommy Casagrande


Die bis heute existierende Verunglimpfung des Manchester-Kapitalismus hat folgende Gründe.

Stellen wir uns ein Gehege mit 10.000 Schafen vor. Diese Schafe sind auf allen vier Seiten von Zaun umgeben. Sie sind eingesperrt wie in einem Käfig. Plötzlich schneidet jemand an einer bestimmten Stelle des Zaunes ein Loch hinein und die nach Freiheit durstenden Schafe drängen auf die eine Öffnung. Es kommt an der Stelle des Loches zu einer Überfüllung von Schafen. Sie schneiden sich am Zaun auf, verletzen sich vielleicht tödlich beim Versuch sich hindurch zu quetschen. Andere schaffen es unversehrt, bloß ein paar Druckspuren durch andere Schafe mussten sie mit davon tragen.

Dies war die Situation im Manchester-Kapitalismus. In England wurde der Kapitalismus zu jener Zeit nicht allumfassend zugelassen sondern in den Arbeiterstädten, in welche die Menschen, gleich der Schafe zu jener Öffnung, in unzählbarem Maße strömten. Aus diesem Grunde konnten die Städte mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten und es kam zu jenen Lebensbedingungen, die als Symbol für die Asozialität des Kapitalismus in die Welt gesetzt wurden. Hätte es landesweiten Kapitalismus gegeben, der nicht nur auf die Städte begrenzt gewesen wäre sondern auch am Land erlaubt gewesen wäre, dann hätten die Menschen gar nicht in dem Ausmaß in die Städte strömen müssen.

Ein landesweiter Kapitalismus hätte dem einreißen des Zaunes geglichen, der die Schafherde umgibt. Stattdessen hat man lediglich ein Loch in das staatliche Knechtsystem geschnitten, dass die Massen zuvor arm gehalten hat und dazu führte, dass der Durst nach Freiheit und Wohlstand so enorm war, dass viele Menschen versuchten, sich durch das kleine Loch hin durchzuquetschen.

Es gehört den Intrigen der antikapitalistischen Bewegung, nicht anerkennen zu wollen, dass im Umfeld von Unfreiheit, stets große Bewegungen auch die kleinste Freiheit suchen die es gibt und das Gedränge an jener kleinen Freiheit so massiv sein kann, dass diese Schieflage Probleme und Verletzungen aufwirft.

Doch das Problem ist nicht die kleine Freiheit, zu der es die Herde zieht. Das Problem ist das Umfeld der Unfreiheit, die Anreiz genug ist, dass Herden auf eine kleine Öffnung zuströmen, durch die sich nicht jeder heil hin durchquetschen kann.

Darum, im Namen der Menschlichkeit und Freiheit: Reißt die Zäune der Unfreiheit nieder und hört auf, kleine Löcher hinein zu schneiden, deren Probleme man dem Kapitalismus anlastet! Denn die Verengung der Freiheit zu einer einzigen Öffnung lässt die Schafe auf ihrer Suche nach Freiheit, einander niedertrampeln und sich an den Zaunkanten verletzen.

 

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