Hilfsbedürftige in einer freien Gesellschaft

Andre Hebbel

Die Frage nach der Hilfe und Unterstützung von Hilfsbedürftigen wird gegenüber Menschen, die Zwang und Gewalt und somit in ihrer Konsequenz auch den auf seinem Gewaltmonopol beruhenden Staat ablehnen, sehr häufig gestellt und mitunter als Argument gegen eine freie Gesellschaftsordnung angeführt. Daher kann man annehmen, dass ein grosses Interesse daran besteht, Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen. Warum also dann Zwang?

Es wird immer Menschen geben, die aufgrund diverser Schicksalsschläge auf die Mithilfe und Unterstützung ihrer Mitmenschen angewiesen sind. Aus diesem Grund gilt es unter hilfsbereiten Individuen, denen das Wohlergehen benachteiligter Mitmenschen am Herzen liegt, geeignete Lösungen zu finden.

Fürsorgende Tätigkeiten, wie beispielsweise das Engagement im Falle von Krankheit bzw. der Pflegebedürftigkeit oder auch materielle Unterstützung können ausschliesslich von leistungsfähigen Individuen ausgeführt und finanziert werden: Das geschieht

- heute durch einen Grossteil der Allgemeinheit, indem ein umverteilender Staat den fleissigen und produktiven Bürgern unter Gewaltandrohung entsprechende Geldmittel abnimmt (Abgaben, wie Steuern & sonst. Beiträge) und mit diesen Mitteln unter anderem die entsprechenden staatlichen Institutionen finanziert, deren Beamte und übrigen Beschäftigte entsprechende Leistungen in die Wege leiten und ausführen;

- in einer freien Gesellschaft, die einer Marktwirtschaft entspricht (und in der damit einhergehend kein Staat existiert) einerseits durch entsprechend vereinbarte Leistungen der im Vorfeld abgeschlossenen Versicherungsverträge und im Falle von Krankheit, Invalidität, etc. leistenden Versicherungsgesellschaft. (Zur Lektüre empfohlen sei hier der äusserst lesenswerte und umfangreiche Artikel-Zweiteiler von Ralf Karnowsky zur "Existenzsicherung in einer freien Gesellschaft") Dabei ist anzumerken, dass die getätigten Beispielrechnungen zu den Versicherungsgebühren, mangels anderer Zahlen, äusserst vorsichtig sind und noch niedriger sein könnten. Die privaten Krankenversicherungen beispielsweise sind hochreguliert, müssen die gesetzlichen Krankenkassen quer-subventionieren und leiden enorm unter dem Lobbyismus der Pharma- und Medizintechnikindustrie, die viel zu teure Behandlungsmethoden gesetzlich legitimieren.)

Andererseits kann davon ausgegangen werden, dass das schon heute beachtliche freiwillige ehrenamtliche Engagement und Spendenaufkommen von hilfsbereiten Mitmenschen in einer freien Gesellschaftsordnung deutlich steigen dürfte, da

1. Einkommensbezieher über deutlich höhere Nettogehälter verfügen würden (da sie nicht wie heute ca. 70% ihres Einkommens unter Androhung von Gewalt an den Staat abführen müssten, siehe auch: "Ihre skandalöse Abgabenlast"); 2. die Kaufkraft eines freien Marktgeldes nicht ständig sinken, sondern mindestens gleichbleibend bzw. dank des technischen Fortschritts kontinuierlich steigen dürfte und 3. den Menschen innerhalb dieser freien Gesellschaftsordnung, aufgrund der beiden voran genannten Punkte, folglich deutlich mehr Mittel zur Verfügung stehen, die die eigene Bedürftigkeit ausschliessen und darüber hinaus das Potential und die Bereitschaft etwaiger Hilfeleistungen wie Spenden oder ehrenamtliche Tätigkeiten enorm erhöhen.

Das Aufkommen von Stiftungen, ehrenamtlichen Vereinen und Einrichtungen, etc. ist heutzutage schon beachtenswert und ständig wachsend, da Armut und Bedürftigkeit einerseits bedauerlicherweise offensichtlich grösser werden, andererseits offenbar aber auch das Bewusstsein für entsprechende Schieflagen der heutigen Zeit und die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung steigt. Denken Sie nur an so wundervolle Einrichtungen, wie die "Tafeln", ein Netzwerk von knapp 900 regionalen Anlaufstellen, die nach eigenen Angaben wöchentlich 1,5 Millionen bedürftige Menschen mit Nahrungsmitteln versorgen. All dies geschieht in freiwilliger Kooperation zwischen Sponsoren und über 50.000 ehrenamtlich tätigen Helfern. Dieses Projekt verdeutlicht auch, dass es keiner auf Zwang und Gewalt basierenden, autoritären und intervenierenden Institution bedarf, um derartige gesellschaftliche Probleme in Bezug auf die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln zu lösen.

In einem Sozialstaat kommt es immer zum "Moral Hazard", also zur sittlichen Gefährdung bzw. (etwas freier übersetzt) zu einem moralischen Risiko. Die Anteilnahme für seine Mitmenschen verkümmert zusehends, denn wenn es dem fremden Nachbarn schlecht geht, dann soll der doch bitte zum Amt gehen und nicht mich belästigen. Denken Sie vor allem auch an die potentiellen Spender und Unterstützer, die heutzutage ausbleiben, da "sich ja der Staat um die Bedürftigen kümmert". Das Potential zur Hilfe ist heute schon gross und es wäre in einer freien Gesellschaft um ein vielfaches grösser. Erinnern Sie sich noch an das Tsunami-Unglück 2004 im indischen Ozean? Allein die Deutschen spendeten freiwillig über 670 Millionen € aus ihrem Privatvermögen, wie Focus 2005 berichtete. Anlässlich des Elbhochwassers 2002 im Osten Deutschlands wurden auch schon 350 Millionen € gespendet. Das exakte jährliche Spendenaufkommen deutscher Privatpersonen ist nicht bekannt. Die Studie "Bilanz des Helfens 2013" des Deutschen Spendenrates, dem Dachverband Spenden sammelnder gemeinnütziger Organisationen, für das Spendenaufkommen im Jahr 2012 ergibt einen Näherungswert von 4,160 Mrd. €. Dabei entfielen 74,1% auf humanitäre Hilfe. In der Studie nicht berücksichtigt sind (selbstredend) Unternehmensspenden, sowie Erbschaften, Spenden an politische Parteien und Organisationen, gerichtlich veranlasste Geldzuwendungen und Grossspenden über 2.500 €.

Die Menschen, die Arbeit haben, verdienen in einer freien Gesellschaft "netto gleich brutto", also erheblich mehr und werden es sich leisten können, gute Berufsunfähigkeits-, Kranken-, Arbeitslosen-, Lebensversicherungen, etc. abzuschliessen. In einer freien Gesellschaft wird ausserdem wieder die Familie an Bedeutung gewinnen, denn das war vor der Ära des Sozialstaats über Jahrtausende das klassische Sicherheitsnetz. Der kleine Teil der Menschen, der auch hier keine Hilfe bekommt, ist dann tatsächlich auf die freiwillige Hilfe von Mitmenschen angewiesen, die dann mehr zum Spenden zur Verfügung haben und wieder Spass daran entwickeln, weil man sie nicht mehr zwingt und die Hilfe tatsächlich benötigt wird.

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