Bitcoin - Eine dezentrale, digitale Krypto-Währung revolutioniert den Geldmarkt

Andre Hebbel

"Was E-Mail für Briefwechsel war, das ist Bitcoin für Geld", hört man viele überzeugte Bitcoin-Nutzer jubeln. Im Folgenden soll die Konzeption des freien Marktgeldes, dessen Netzwerk anfänglich ohne große Aufmerksamkeit im Jahr 2009 startete und seitdem stark zunehmende Akzeptanz erfährt, näher erläutert werden.

Bitcoin ist ein Open-Source-Softwareprojekt für die gleichnamige digitale Währung auf Peer-to-Peer (P2P) Basis, das 2008 in einem Whitepaper von Satoshi Nakamoto  (nach derzeitigem Kenntnisstand ein Pseudonym einer Person oder Personen-gruppe) vorgeschlagen wurde. Mit dem Start des ersten Bitcoin-Clients (Software zur Teilnahme am Bitcoin-Netzwerk) am 03. Januar 2009 wurde das Projekt realisiert. Der Begriff Bitcoin bezeichnet also einerseits eine digitale Währungseinheit (Kürzel: BTC) und andererseits das weltweite Zahlungsnetzwerk,
über das man diese Währung senden und empfangen kann.

Peer-to-Peer bedeutet in diesem Zusammenhang, dass es keine zentrale Institution gibt, die Währungseinheiten schöpft oder Transaktionen abwickelt und verfolgt, sondern dass diese Aufgaben dezentral durch die Teilnehmer des Netzwerks (bzw. durch dessen Rechenleistung) in Übereinstimmung verifiziert und ausgeführt werden.

Bitcoins sind durch die Verwendung aufwendiger Verschlüsselungsverfahren fälschungssicher und es ist gewährleistet, dass jeder Nutzer ein und dasselbe vorhandene Guthaben nur einmal ausgeben bzw. versenden kann, da jegliche Übermittlung unwiderruflich im Netzwerk (in der Blockchain) verzeichnet und die Gültigkeit eines Bitcoin vor jeder Transaktion durch das Netzwerk überprüft wird. Dennoch ist eine umfassende Anonymität gewährleistet, denn Transaktionen können nicht von unbeteiligten Dritten in irgendeiner Art eindeutig zurückverfolgt bzw. mit einer konkreten Person oder einem Unternehmen in Verbindung gebracht werden, solange der Nutzer seine Bitcoin-Adresse(n) (dazu später mehr) nicht für jedermann öffentlich zugänglich macht.

Im Prinzip ist Bitcoin erst mal eine Währung, wie der Dollar, Euro oder Yen auch, allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass sich die Akzeptanz des Bitcoin nicht auf ein Gesetz, d.h. dem Zwang zur Akzeptanz (und dem Verbot alternativer Währungen) innerhalb einer entsprechenden Region stützt, sondern von seiner Reputation und dem Vertrauen der Marktteilnehmer abhängt.
Darüber hinaus kann nicht genug betont werden, wie revolutionär der Gedanke und die Umsetzung einer auf Dezentralisation beruhenden virtuellen Währung ist. Bitcoins weisen folgende Eigenschaften und Besonderheiten auf:

  • Es wird nie mehr als knapp 21 Millionen Bitcoins geben und sie werden im Lauf der Zeit mit abnehmender Geschwindigkeit erzeugt. Zur Zeit (Juni 2013) existieren etwa 11,2 Millionen Bitcoins. Die rechnerische, algorithmus-bedingte Höchstgrenze an erzeugten Bitcoins von 20.999.999,999999999496 BTC wird durch den Block mit der Blocknummer #6.929.999 voraussichtlich im Jahre 2033 erreicht werden.

  • Jeder Bitcoin ist durch Einhundert Millionen teilbar. Es ist also möglich, 0,00000001 BTC zu besitzen (8 Nachkommastellen). Falls jemals die Notwendigkeit besteht noch kleinere Mengen darzustellen, so kann dies in Zukunft theoretisch auch noch umgesetzt werden.

  • Es ist theoretisch unmöglich, einen Bitcoin zu fälschen. Um das voll zu verstehen, müsste man sich allerdings ausgiebig mit Kryptographie und recht fortgeschrittener Mathematik beschäftigen. In diesem ausführlichen YouTube-Video versucht es Martin Albert für den Laien (neben weiteren Eigenschaften des, dem Bitcoin-Netzwerk zugrunde liegenden, Algorithmus) verständlich zu erklären. Wikipedia: "Eine Fälschung von Einheiten oder Transaktionen ist durch das verwendete asymmetrische kryptographische Verfahren und durch digitale Signaturen mittels einer doppelt angewendeten Hashfunktion nach heutigem Wissensstand praktisch ausgeschlossen."

  • Neue Bitcoins werden nach einem festen Zeitplan erzeugt und an diejenigen ausgegeben, die Rechenleistung zur Verfügung stellen, um die Zuverlässigkeit des Netzwerks zu sichern. Dieser Prozess wird Bitcoin Mining genannt, doch wenn man es genau nimmt, müsste er eigentlich "Bitcoin-Buchprüfung" heißen. Je mehr Rechenleistung man einbringt, desto höher sind die Chancen, neue Bitcoins zu erhalten. Die Menge an neuen Bitcoins erhöht sich jedoch nie, im Gegenteil, sie wird immer kleiner, bis alle 21 Millionen Bitcoins in der Welt sind. Das Geldmengenwachstum ist genau vorherbestimmt und konvergiert gegen Null, wie es die Grafik weiter unten veranschaulicht.

  • Der Wert des Bitcoins bzw. der Wechselkurs zu anderen Währungen bestimmt sich durch Angebot und Nachfrage der Marktteilnehmer auf Handelsplattformen, wie beispielsweise Mt.Gox (ca. 70% des weltweiten Umsatzes werden über diese Börse abgewickelt) oder bitcoin.de, auf denen diverse Währungen in Bitcoin (und umgekehrt) getauscht werden können. Zur Zeit (Juni 2013) wird ein Bitcoin für ca. 80 Euro oder 105 US-Dollar gehandelt. Natürlich gibt es Marktpreise in allen denkbaren Währungen, vom japanischen Yen bis zum brasilianischen Real.

  • Zahlungen können sehr schnell und entfernungsunabhängig bei minimalen Transaktionsgebühren ohne Mitwirkung von Finanzinstituten direkt zwischen den Beteiligten abgewickelt werden. Nach angewiesener Überweisung dauert es derzeit ca. 10 Minuten bis die versendeten Bitcoins vom Netzwerk verifiziert und dem Empfänger gut geschrieben werden. Seit dem 10. Juni 2012 beträgt die minimale Transaktionsgebühr 0,0005 BTC pro Überweisung (bei derzeitigen Wechselkursen von 80 € pro Bitcoin sind das umgerechnet 0,04 €). Die Transaktionsgebühr dient dabei bestimmten Teilnehmern (den Bitcoin-Minern) als Anreiz, dem Bitcoin-Netzwerk Rechenleistung in Form von der Erstellung von neuen Blöcken zur Verfügung zu stellen. Eine Überweisung wird zusammen mit weiteren Transaktionen in Blöcken verifiziert und abgewickelt, die derzeit ca. alle 10 Minuten neu entstehen (daraus ergibt sich eine ungefähre Überweisungsdauer von ca. 10 Minuten).

  • Der Zugriff auf das eigene Bitcoin-Guthaben ist theoretisch von allen möglichen technischen Geräten aus möglich. Gegenwärtig gibt es Smartphone-Apps wie beispielsweise Bitcoin Wallet (Android) mit denen der Benutzer Zahlungen von unterwegs aus (und darüberhinaus auch per "Near-Field-Communication") tätigen kann. In Planung sind außerdem auch erste Prepaid-Karten, mit denen nach erfolgtem "Aufladen" mit Bitcoins, wie mit herkömmlichen EC-Karten auch, unterwegs bezahlt werden kann.

  • Zahlungen mit Bitcoins können aufgrund der Struktur des Netzwerks nicht rückgängig gemacht werden. Dies stellt im Online-Handel für den Verkäufer einen Vorteil dar, da Rückbuchungen von Zahlungen bei betrügerischen Käufen nicht möglich ist.

  • Bitcoin ist nicht "regulierbar", also resistent gegenüber der Einflussnahme von potentiellen Gegnern. Aufgrund des Prinzips von dezentralen Netzwerken gibt es folglich keine zentrale Stelle, die man in irgendeiner Weise angreifen oder ausschalten könnte. Ist irgendeine Autorität gewillt den Handel mit Bitcoin zu unterbinden, so kann sie lediglich die Geschäftstätigkeit von Börsen und anderen Handelsplätzen oder sonstigen mit Bitcoin im Zusammenhang stehenden Dienstleistern unter Strafe stellen, nicht aber das Bitcoin-Netzwerk oder die Bitcoins selbst "verbieten" oder abschaffen.

Bitcoinmengenwachstum - Klicken, um die Grafik zu vergrößern

Ein weiterer bahnbrechender Aspekt von Bitcoin ist, dass es das bestehende internationale Finanzsystem samt Zentralbanken, Geschäftsbanken, Interbanken-Zahlungssystemen wie SWIFT oder SEPA und Zahlungsdienstleister wie PayPal oder Western Union vollständig zu ersetzen vermag. Alle Funktionen dieser riesigen Wirtschaftszweige, die sich mit der Schöpfung, der Lagerung und der Versendung von Geld beschäftigen, würden von Bitcoin übernommen werden. Wenn sich Bitcoin durchsetzt, werden Unternehmen wie PayPal und Western Union vom Markt verschwinden und alle Zentralbanken überflüssig. Es wäre also keine Untertreibung, das Potenzial von Bitcoin als revolutionär oder weltverändernd zu bezeichnen.

Um Bitcoin zu nutzen wählt man sich über ein Programm (Client) in das Bitcoin-Peer-to-Peer-Netzwerk ein. Die im Allgemeinen Wallet genannte Software kann unter bitcoin.org heruntergeladen werden. Das Programm informiert sich beim Start automatisch über alle früheren Überweisungen (es lädt also die sogenannte Blockchain) und erzeugt eine eindeutige Identifikationsnummer mit 33 Stellen für den künftigen Zahlungsempfang. Jeder Benutzer besitzt somit zu Beginn eine vom Programm vergebene "Zahlungsadresse" und hat jederzeit die Möglichkeit weitere Adressen (z.B. für verschiedene Absender) zu generieren. Geldüberweisungen finden als Transaktionen zwischen solchen Adressen statt. Die Adresse stellt die Kurzform des entsprechenden öffentlichen Schlüssels (als Teil eines asymmetrischen Schlüsselpaares; das Gegenstück ist der private Schlüssel) des Nutzers dar. Zwecks Überweisung von Bitcoins gibt der Zahlungsempfänger die Adresse dem Absender der Zahlung bekannt. In einer Transaktion wird dann der öffentliche Schlüssel des Absenders für alle Teilnehmer sichtbar und nachprüfbar.

Der private Schlüssel ist nur dem Teilnehmer bekannt, der das Schlüsselpaar erzeugt hat. Mit diesem Schlüssel signiert der Sender die Überweisung an den Empfänger. Dadurch ist sichergestellt, dass nur der Besitzer des privaten Schlüssels eine Transaktion autorisieren kann. Die Transaktionen werden nun allen anderen Teilnehmern des Netzwerks bekannt gemacht. Dies muss so erfolgen, dass Störungen oder Verfälschungen der Netzwerkkommunikation sowie bösartige Versuche, falsche Transaktionen zu registrieren, keinen Schaden anrichten und die Transaktion in der Folge vom Netzwerk verifiziert werden kann.

Die Transaktionen, die im Netz bekannt gemacht werden, werden von jedem Teilnehmer in einem Block gesammelt. Teilnehmer können durch Einsatz von Rechenleistung versuchen eine kryptographische Aufgabe zu lösen, um ihren Block öffentlich zu machen. Wenn ein Client eine solche Aufgabe löst, macht er seinen Block mit einer Auswahl der ihm bekannten, öffentlichen Transaktionen publik. Nachdem das gelungen ist, erhält er von den anderen Clients die Anerkennung einer Belohnung in Form einiger neu erzeugter Bitcoins, das heißt, er darf im Block eine Gutschrift an sich selbst verzeichnen. Durch diesen Vorgang, der Mining genannt wird (Kurzvideo über den Mining-Prozess), beteiligen sich die Teilnehmer an der Erzeugung neuer Bitcoins und führen somit auch die Geldschöpfung dezentral durch.

Der nun im System veröffentlichte Block legt die in ihm enthaltenen Transaktionen verbindlich fest. Er wird bei der Signierung mit dem jeweils vorhergehenden Block verkettet, wodurch eine Blockchain oder Blockkette entsteht. Anschaulich kann man dieses System mit einer großen Gruppe von Notaren erklären, die immer wieder gegenseitig ihre Unterschriften unter einer Folge von Dokumenten prüfen und mit weiteren Unterschriften bestätigen. Auf der Webseite blockchain.org kann die Blockchain genannte Datenbank mit Informationen aller Transaktionen erkundet werden.

Schaubild: Wie funktioniert Bitcoin - Klicken, um die Grafik zu vergrößern

Mit der fortschreitenden Bekanntheit von Bitcoin steigt auch die Anzahl der Händler und selbst Stiftungen, die Bitcoin akzeptieren. Darunter sind unter anderem auch namhafte Institutionen, wie die Whistleblower-Organisation WikiLeaks, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland Berlin, die bekannte Social-News Webseite reddit und seit kurzem auch die Stiftung The One Foundation des bekannten Schauspielers Jet Li zur Sammlung von Spenden für die Opfer des Erdbebens in Sichuan vom 20. April 2013.

Sogar im Gastronomie-Gewerbe hat Bitcoin seinen Siegeszug angetreten. Beispielsweise kann der Gast seit Anfang 2011 im room77 in Berlin-Kreuzberg seinen Burger auch mit Bitcoin bezahlen. Über das Internet-Auktionshaus Bitmit - dem eBay der Bitcoin-Szene - können zahlreiche Waren und Dienstleistungen gegen Bitcoins ersteigert werden.

Weitere häufig gestellte Fragen werden im FAQ des Bitcoin Wiki beantwortet.

In diesem Kurzvortrag auf der 1. Swiss New Finance Conference an der Universität Bern vom 23. August 2012 fasst der Referent Jens-Christian Fischer noch einmal die entscheidenden Funktionen und kryptographischen Besonderheiten von Bitcoin zusammen.

Wie bereits weiter oben erwähnt, erläutert Martin Albert in diesem YouTube-Video auf möglichst verständliche Art und Weise und in lockerer Atmosphäre die Technik hinter dem Bitcoin-Netzwerk und ihre Funktionsweise.


Zitat von Gavin Andresen, gegenwärtig einer der führenden Entwickler des Bitcoin-Projekts:
"Die Aufgabe ist in Wirklichkeit eine stabile weltweite Währung für das Internet zu schaffen. Um Menschen auf der ganzen Welt Geschäfte abwickeln zu lassen, so einfach wie das versenden einer E-Mail. Ich meine Bitcoin wird eine ähnliche Bedeutung erlangen wie E-Mail welche auch als ein sehr technisches Konzept begann und mehr und mehr allgegenwärtig wurde als die Anwendung einfacher wurde. So wie es einfacher wurde E-Mails zu nutzen, wird es einfacher werden Bitcoin zu benutzen wenn mehr Menschen ihr Geld anlegen und vertrauter damit werden."

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