Das ist Geld: wichtig

Murray Rothbard

Genau wie es in der Natur eine große Vielfalt der Fähigkeiten und Rohstoffe gibt, gibt es nun auch Vielfalt hinsichtlich der Marktgängigkeit von Gütern. Einige Güter werden stärker nachgefragt als andere, einige sind leichter und ohne Wertverlust in kleinere Einheiten teilbar, andere über längere Zeiträume haltbar, und wieder andere können leichter über lange Strecken transportiert werden. Alle diese Vorteile tragen zur größeren Marktgängigkeit bei.

Es ist klar, daß in jeder Gesellschaft nach und nach die marktgängigsten Güter als Tauschmittel ausgewählt werden. Je mehr sie als Tauschmittel verwendet werden, desto stärker wächst wegen dieser Verwendung auch die Nachfrage nach ihnen, und so werden sie immer marktgängiger. Das Ergebnis ist eine sich verstärkende Spirale: Eine höhere Marktgängigkeit verursacht eine größere Verbreitung als Tauschmittel, was wiederum für höhere Marktgängigkeit sorgt usw. Schließlich werden ein oder zwei Güter als allgemeine Tauschmittel - d.h. für fast alle Tauschhandlungen - verwendet, und diese nennt man dann Geld.

In der Vergangenheit sind viele verschiedene Güter als Tauschmittel verwendet worden: Tabak im Virginia der Kolonialzeit, Salz in Abessinien, Vieh im alten Griechenland, Nägel in Schottland, Kupfer im alten Ägypten, sowie Korn, Glasperlen, Tee, Kaurimuscheln und Angelhaken. Über die Jahrhunderte hinweg sind zwei Güter, Gold und Silber, aus dem freien Wettbewerb des Marktes als Geld hervorgetreten und haben die anderen Güter verdrängt. Beide haben eine einzigartige Marktgängigkeit, werden stark für Schmuck nachgefragt und stechen auch in den anderen notwendigen Eigenschaften hervor. In der jüngeren Vergangenheit wurde Silber, da es häufiger als Gold vorkommt, bei kleineren Geschäften für nützlicher gehalten, Gold dagegen für größere Transaktionen. Jedenfalls ist es von Bedeutung, daß der Markt Gold und Silber für das effizienteste Geld hält.

Dieser Prozeß, die kumulative Herausbildung eines Tauschmediums auf dem freien Markt - ist der einzige Weg, auf dem Geld eingeführt werden kann. Geld kann nicht anders entstehen - weder dadurch, daß sich alle plötzlich entscheiden, Geld aus nutzlosem Material zu erschaffen, noch dadurch, daß Regierungen Papierschnipsel “Geld” nennen. Denn in der Geldnachfrage ist das Wissen um die Geldpreise der unmittelbaren Vergangenheit enthalten; im Gegensatz zu direkt verwendeten Konsum- oder Investitionsgütern müssen im Falle von Geld bereits Preise existieren, auf denen sich dann eine Geldnachfrage entfalten kann. Doch dazu kann es nur kommen, wenn die spätere Geldware zunächst als nützliche Ware im Naturaltausch auftritt und sich dann die Nachfrage für den Tauschmittelgebrauch zu der Nachfrage für den direkten Gebrauch, im Falle des Goldes z.B. für Schmuck, gesellt. Daher kann keine Regierung Geld für die Wirtschaft schaffen; Geld kann nur durch die Vorgänge auf dem freien Markt entwickelt werden.

Aus unserer Erörterung ergibt sich eine höchst wichtige Erkenntnis über Geld: Geld ist eine Ware. Diese einfache Lektion zu lernen ist eine der wichtigsten Aufgaben der Welt. Sehr oft wird Geld als etwas angesehen, das entweder mehr oder weniger als eine Ware ist. Geld ist keine abstrakte, von einem konkreten Gut trennbare Recheneinheit; es ist keine nutzlose, nur zum Tausch dienende Spielmarke; es ist keine “Forderung an die Gesellschaft”; es ist keine Garantie eines stabilen Preisniveaus. Es ist einfach eine Ware.

Es unterscheidet sich von anderen Waren dadurch, daß es hauptsächlich als Tauschmittel nachgefragt wird. Aber daneben ist es eine Ware, und wie andere Waren hat es einen vorhandenen Bestand, es unterliegt der Nachfrage der Leute, die es kaufen und aufbewahren usw. Wie bei allen andern Waren wird sein “Preis” - ausgedrückt in andern Gütern - durch das Zusammenwirken des gesamten Angebots des gesamten Bestands und der gesamten Nachfrage aller Leute, die es kaufen und halten wollen, bestimmt. Die Leute “kaufen” Geld, indem sie ihre Güter und Dienste dafür verkaufen, genau wie sie Geld “verkaufen”, wenn sie Güter und Dienste kaufen.

***

(aus dem Buch "Das Scheingeldsystem")

Rubriken: Freier Markt

... zurückblättern