Bunt könnte es sein in der Welt

Tommy Casagrande

Wer sich für Architektur interessiert, wird bemerkt haben, dass es eine Ideologie zu geben scheint, die sich länderübergreifend in einer ewig gleichen Monotonie ausdrückt. Modern zu bauen bedeutet, die Geometrie auf Rastermustereien zu reduzieren. Dreiecke, Kreise oder andere Elemente gelten als nicht modern. Quadrate und Rechtecke bilden den ästhetischen Mittelpunkt der Baukunst. Türen, Fenster, die Form des Gebäudes, alles ist ein Raster. Da fragt man sich ob die Weltkugel ein rebellischer Entwurf der Natur zu sein scheint, denn die Menschen schaffen es kaum noch, Gebäude zu entwerfen, die keine Raster und Kuben darstellen.

Vielfach hört man Menschen klagen und motzen, dass Städte verschandelt und Stadtbilder weltweit angeglichen und austauschbar werden. Als Flaneur, der ziellos durch Straßen sich treiben lässt, zerrt man vom Erbe vergangener Epochen, will man ansprechende Fassadengestaltung, will man künstlerisches Talent und ein Gespür für Ästhetik wahrnehmen.

Doch wieso hat sich der Geschmack der Architekten derart geändert, dass viele das selbe entwerfen ? Oder hat sich der Geschmack ihrer Auftraggeber derart geändert, dass viele das selbe entwerfen lassen ? Möglicherweise liegt es aber an den staatlichen Universitäten, welche Architekturstudenten ausbildet und deren Ausbildungsinhalte nicht mehr dahingehend gefördert werden, Begnügt man sich damit, indem man es schafft, Abstand zu nehmen von dem Anspruch, schönes zu entdecken, welches wohlproportioniert ist.

Sind Städte nicht mehr schön, Fehlt den Architekten Freiheit. Sind Städte auch dann noch nicht schön, Fehlt die Freiheit, dass jeder Architekt werden kann. Städte werden geplant, werden verplant. Zu viel Planung und keine Ahnung. Sind öffentliche Räume nicht mehr schön, Fehlt den Menschen Freiheit, Öffentliche Räume zu verschönern, indem sie diese erobern. Das Leben ist nicht planbar, kreative Stadtviertel sind nicht planbar, öffentliche Räume sind nicht planbar, Urbanität ist nicht planbar, buntes Leben ist nicht planbar, brodelnde Städte sind nicht planbar.

Die verwissenschaftlichte Menschheit, die durch Akademisierung zur Technokratie neigt, glaubt an die Wunderwaffe der Soziolatrie. Der Staat als Instrument verwirklicht Städte und Lebensräume, die auf dem Reißbrett entworfen werden. Wunschtraumfantasie, an der Vernunft ist es Blasphemie. Bestehen Straßen aus den immer gleichen Geschäften, fehlt den Menschen die Freiheit, Unreguliert und selbstständig tätig zu werden. Immer gleiche Geschäfte drücken die Lohnabhängigkeit aus, Die durch staatliche Eingriffe derartige Verhältnisse schafft. Ein paar hunderttausend arbeiten für A, ein paar hunderttausende arbeiten für O, Und die Leute wundern sich, dass die Straßen aus A´s und O´s bestehen und die Vielfalt verschwunden ist ?

Ja, wieso ? Ja, wieso ? Kreativer muss es werden, lautet die Forderung. Das Umfeld für Kreativität wird geplant und das Ergebnis ist ... langweilig. Kreativität entsteht nämlich spontan, unter Bedingungen die frei sind, sie ist nicht planbar. Doch für solche Weisheiten ist es die falsche Zeit. Städte werden langweilig, immer die gleichen Geschäfte, kein Ausbrechen aus der ewig gleichen Monotonkultur der Architektur. Stadtplanung versagt aufgrund der Planung. Viele Menschen haben keine Ahnung. Man schaue auf Wien und Zürich. Langweilige Geschwister. Sicher sind sie, weil alles verboten ist. Weil alles verboten ist, fühlen sich die älteren Menschen wohl. Die Jugend soll Familie gründen und dann ins Eigenheim am Stadtrand ziehen. Natürlich finanziert durch fiat money Kredite eines zerstörerischen Geldsystems.

Bunte Baracken mit individuellen Dienstleistungen, Von Kleinkunst bis zum jugendlichen Designer. Hippies und Kreative zögen ein, betrieben Cafes und Coffee Shops nach Amsterdamer Vorbild. Die Wände wären bemalen von Menschen, die farbenfrohe Symbole zeichnen. Manch eine Wendeltreppe führte auf das Dach einer Baracke und man säße oben und ließe die Seele baumeln. Diese simplen Baracken, farbenfroh, aus festem Mauerwerk und entstaatlicht, wären Kult und zugleich Magnet für junge Menschen. Sie zögen stärker an als es Einkaufszentren täten und belebten die Straßen. Sie bestünden aus Mauerwerk und wären billiger als die Einkaufszentren am Stadtrand, die nur eine Reaktion auf die repressive Steuerlast für kleine Ladenbesitzer darstellen, denn Einkaufszentren generieren mehr Umsatz und Gewinn, haben als Zusammenschluss mehr Überlebenschance, als ein Tante Emma Laden, dank der staatlichen Finanzrepression.

Ich habe Ideen für Fassadengestaltung, Ideen für Stadtbilder, weiss um die Rahmenbedingungen für wachsen und gedeihen der kleinen Leute und weiss, dass das auch viele andere wissen, denn allein durch Freiheit, verhielten sich die Menschen im Sinne bunterer, vielfältigerer und schönerer Städte und öffentlicher Räume. In jedem von uns Menschen steckt ein Künstler, ein Genie, dass daran abgehalten wird, der Welt sich ein Stück zu zeigen. Stattdessen pressen die Strukturen schon die kleinen Kinder in die Zwänge, sich seriös, konservativ und mainstreamartig anzupassen.

Die Reaktion auf diese zwanghafte Gleichmacherei sind oft nicht unangepasst bunte Menschen sondern solche, welche gewalttätig darauf rebellieren. Die Kinder sind nicht frei, die Jugend ist nicht frei, junge Erwachsene sind nicht frei.
Man passt sich an, gliedert sich in das System ein und wundert sich über wenig Eigeninitiative und wenig Individualismus. Die Welt wird langweilig, grau und farblos.

Rubriken: Architektur

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